Freitag, 28. März, 20 Uhr
Barbara Kalender und Jörg Schröder spielen sich selbst.
Film: Die März Akte
Ein Videoabend mit Kommentaren. Zum März Verlag allgemein wie zum Steuerrecht im Besonderen.
Vortrag: Olaf Pilzecker (Bilanzbuchhalter)
Der März Verlag
Bücher, Aktionen und Business-Art-Konzepte
1967 Vormärz: Jörg Schröder macht im Melzer Verlag so verschiedenartige Titel wie Pauline Réage: ›Geschichte der O‹, Victor Klemperer: ›LTI‹ und eine Anthologie amerikanischer Underground-Gedichte ›Fuck you!‹
1968 Jörg Schröder lädt niederländische Autoren zur Buchmesse ein. Provo-Aktion: »Pinkelet auf Springer!« Außerdem Buchmesse-Boykott-Versuch zusammen mit Bernward Vesper und anderen »Literaturproduzenten«.
1968 Spektakulärer Coup: Schröder trennt sich handstreichartig vom Melzer Verlag, nimmt sämtliche Mitarbeiter und Autoren mit, gründet den März Verlag sowie die Olympia Press und Olympia Film (›Das farbige Banner der Pornographie‹). Im März Verlag erscheinen u. a. ›ACID‹, herausgegeben von Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla und gestaltet von Schröder, Valerie Solanas (die Frau, die auf Andy Warhol schoß): ›Scum – Manifest zur Vernichtung der Männer‹, Hermann Nitsch (Wiener Aktionist und ›Blut-Künstler‹): ›Orgien Mysterien Theater‹, Edgar Snow: ›Roter Stern über China‹, Siegfried Bernfeld: ›Antiautoritäre Erziehung und Psychoanalyse‹.
1970 Schröder bringt eine gefälschte Lenin-Briefmarke in Umlauf und verschickt mit ihr frankiert ein Rundschreiben an Bundestagsabgeordnete. Er gründet die Bismarc Media, eine Agentur, deren Konzept es ist, nichts zu produzieren. Bei März erscheinen u. a. Günter Amendt: ›Sexfront‹, Leonard Cohen: ›Schöne Verlierer‹, ›Trivialmythen‹ (mit Texten u. a. von Elfriede Jelinek, Rolf Dieter Brinkmann, Wolf Wondratschek, Hermann Peter Piwitt, Friederike Mayröcker), Leslie Fiedler: ›Die Rückkehr des verschwundenen Amerikaners‹, Robert Crumb: ›Headcomix‹, Doktor Gormander: ›Als die Kinder die Macht ergriffen‹, Leroi Jones: ›Schwarze Musik‹, Michael Rumaker: ›Schwul‹, Parker Tyler: ›Underground Film‹.
1971 Alfred von Meysenbugs Pornocomic: ›Lucys Lustbuch‹ wird in einer Nacht- und Nebelaktion von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt beschlagnahmt; später werden zehntausend Exemplare eingestampft, weil die Comic-Figuren Rainer Barzel, Willy Brandt, Franz-Joseph Strauß u. a. zu ähnlich sind. Die ›Nazi-Olympiade‹ erscheint als Protest gegen die Münchner Spiele 1972. Weitere März-Bücher u. a. Jim Dine: ›Gedichte‹, David Horrowitz: ›Big Business und kalter Krieg‹, Ken Kesey: ›Einer flog über das Kuckucksnest‹.
1972 Schröder erzählt Ernst Herhaus ›Siegfried‹. Das Buch wird mit zahlreichen einstweiligen Verfügungen und Klagen überzogen, die einige Landgerichte und zwei Oberlandesgerichte beschäftigen. Schröder gewinnt alle Prozesse – bis auf einen, ›Siegfried‹ kann mit geringfügigen Schwärzungen wieder erscheinen. Weitere März-Bücher u. a. Carlos Castaneda: ›Die Lehren des Don Juan‹, Frantz Fanon: ›Für eine afrikanische Revolution‹, Willi Münzenberg: ›Propaganda als Waffe‹.
1973 Die Deutsche Bank verhindert das Erscheinen des ›Omgus-Berichts‹, der März Verlag meldet Konkurs an. Schröder schreibt mit Otto Jägersberg das Drehbuch für ›Immobilien‹ (ZDF, Fernsehspiel der Gegenwart).
1974 bis 1976 Der März Verlag wird neu gegründet, Schröder vertreibt bis 1976 in großen Auflagen Reprints der alten März-Titel beim Versender Zweitausendeins.
1977 Schröder bearbeitet ›Die Reise‹ von Bernward Vesper und gibt das Buch aus dem Nachlaß heraus. ›Die Reise‹ wird im ›Deutschen Herbst‹ ein Bestseller.
1978 bis 1979 Keine Aktionen und Skandale, dafür zahlreiche neue März-Bücher u. a. Manfred Esser: ›Ostend-Roman‹, Huguette Couffignal: ›Die Küche der Armen‹, der Essay des ›Spiegel‹-Redakteurs Christian Schultz-Gerstein: ›Doppelkopf‹, Uve Schmidt: ›Ende einer Ehe‹, Jules Vallès: ›Jacques Vingtras. Das Kind. Die Bildung. Die Revolte‹.