Stephan Mörschs kleinformatige Graphit-Zeichnungen fungieren stets als Teil einer Sequenz. Ihre Darstellungsform verknüpft zeitliches Nach- und räumliches Nebeneinander zu motivischen Reihen und ist auf eng gehaltene Abfolgen angelegt.
Das Ganze wirkt wie die bildhafte Erzählung einer Ortsbegehung und dokumentiert immer auch körperliche Bewegung im Raum. Der Körper dieses Blicks ist dabei in durchaus unterschiedlicher Dynamik und verschiedensten Geländearten unterwegs, etwa im Modus eines Waldspaziergangs oder einer Fahrt auf der Autobahn. Der Stil wirkt schnappschussartig, aber nie unmotiviert – als sei etwas dokumentiert worden, das die Bilderfolge von sich aus jedoch nicht erklärt. Man könnte meinen, hier habe einer in rascher Folge den Kameraauslöser betätigt und die Aufnahmen anschließend ins Medium der Zeichnung übertragen.
Tatsächlich zeichnet Mörsch aber direkt: Er hat ein Verfahren erarbeitet, mit dem er Struktur und Atmosphäre eines Ortes rasch und aus dem Moment heraus zeichnerisch umsetzt. So kann er den Gebrauch des Mediums mit der Wahrnehmung tendenziell synchronisieren, und ganz reell schreiben sich dabei die unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Raumrelationen in die Bildsequenzen ein.
(Jens Asthoff)