Spektakuläres Wiederauftauchen der gestohlenen Giaccometti Bronzeplastik aus der Hamburger Kunsthalle
DIEBSTAHL
Freitag, 12.07.bis zum 26.7.2002, Dietmar-Koel-Str.34
Die Arbeit DIEBSTAHL bezieht sich auf die Entwendung der Bronzestatue des Schweizer Bildhauers Alberto Giaccometti am 25. Mai diesen Jahres aus der Hamburger Kunsthalle.
Der falsche Ersatz hatte tagelang bei den Museumsbediensteten keinen Argwohn erregt. Sollte das bedeuten, daß letztlich egal ist, welcher Gegenstand “Kunst” bedeute? Was wäre Kunst dann, wenn nicht das gegenständliche Exponat, sei es Skulptur, sei es Malerei etc?
Im Schaufenster zu sehen ist eine original Fälschung des aus der Kunsthalle gestohlenen Torsos von Alberto Giaccometti. Wie Falschgeld (Jaques Derrida) ist sie energiegeladen: Herr Prof. Schneede und das Problem der Polizei sind einfach nicht mehr wegzudenken. Die Fälschung operiert im Modus des als-ob und setzt sich in Bezüge, die sich nicht allein auf das Original richten. Auch das Original war immer schon eine Fälschung weil es sich nicht von seinen Bezügen aus seinem Quasi-Sein befreien kann. Das Problem erhebt sich damit, ob sich zB Fettecken als Kunst überhaupt entwenden lassen könnten, oder ob sie einfach nur ektoplastische Auswürfe eines morphogenetisch teleologischen Prozesses sind, die überall und immer passieren können!? Steckt also nicht auch immer schon ein kleiner Giaccometti, ein kleiner Beuys, ein kleiner Matthew Barney in jedem von uns?
In diesem Sinne ist also auch Schneede ein Weiser. Er belässt die Fälschung drei Tage im Giftkasten, im Wissen, daß sich Kunst selten nur an den Gegenstand heftet, wie ein Wäscheetikett. Der Auftrag des Kunstmuseums ist damit mehr als erfüllt. Es gilt dort demnach nicht nur, den Fokus der hegenden Pflege auf Gegenständliches zu richten sondern auf den scharfsinnigen Geist des intellektuellen Kunstdiskurs.
Trottoir ist deshalb besonders stolz, die originiale Fälschung des Torsos von Giaccometti vom 12.7. bis zum 26.7. in seinen bescheidenen Ausstellungsräumen zu zeigen um damit einen kleinen Beitrag zur Auseinandersetzung institutionalisierter Kunstpräsentationsplattformen zu leisten.
Daß Grünfelder das “Original” austellungstechnisch nicht zeigen kann, ist freilich klar. Erstens würde mit dem Mißverständnis sofort die Polizei auf den Plan rücken und würde die Kuratoren samt Künstler in den Kerker werfen, oder zweitens: “Diebstahl” dreht sich womöglich um etwas, was gar kein etwas ist. Ein schon immer entwendetes oder entzogenes, das sich nie qua verschoben Erinnertem nachträglich in die Präsenz des Daseins zerren lässt. Ebenso wie die Vaseline Fälschung mit Monitor zu allerlei Assoziationsverkettungen Anlass bietet, so gibt es hinter dem Verpackunskarton vieles zu vermuten. Was nun tatsächlich dahintersteckt, wird vorerst ein Geheimnis bleiben.
(Romeo Grünfelder)
Link: Homepage, Romeo Grünfelder