"Transzendenz des Himmels" palavert es in der Kunstgeschichte. Goldgründe sind damit manchmal gemeint. Sie sind so flach wie heilsgewiss, weil Gold in Bildern die Lichtquelle und das Licht des goldenen Bildes ununterscheidbar macht. Abgesehen von der Tatsache, dass die Goldblättchen kostbar und zum verniesen dünn sind, entscheidet der Grund auf dem sie schließlich angeschossen kleben, der farbige Bolus, über ihr Inkarnat. Der Körper muss also doch Unterlage des Übersinnlichen sein, es geht vorerst nicht anders.
Drei Aufnahmen eines Goldbronzefleischgrundes kann man im Schaufenster sehen. Es sind Fotos eines Buchdeckels. Von Vorn, von Hinten und auf den Rücken des Leinens blickt man.
Trotzdem ist das hier kein Goldgrund, es gibt andere Methoden, einen vergleichbaren Transzendenzeffekt herzustellen, nämlich Ringblitz. Das nahezu schattenlose Bild eines Körpers entsteht. Eine vollkommen außerirdische Beleuchtung, eben durch einen blitzenden Heiligenschein fotografiert. Ringblitze werden verwendet wenn es ernst wird, wenn ein Volumen zur Projektionsfläche werden soll, so in der Modefotografie, wo mit Ringblitz fotografiert das Gesicht zu einer weißen heiligen Fläche ohne jede Falte wird. (Auch hier kommt es immer noch auf die Unterlage an. Natürlich muss das Gesicht schön sein, auch wenn man davon dann nahezu nichts sieht. Einzig verräterisch die Sternenkorona in den Pupillen)
Das Ergebnis erscheint unabhängig von der herrschenden Physik, von newtonschen Gesetzen o.ä., hat eher zu tun mit Konstellationen. Auch in dieser Ausstellung ist es nicht Newton, eher Teilchenphysik, starke Vergrößerung. Der handliche Körper eines Buchs wird eine erratische Erscheinung, ohne Volumen.
Bildende Künstler plagen sich mit gebundenen Literaten herum und manchmal schnappen sie über und malen Bücherregale, was einer Kapitulation gleichkommt. Roman Schramm ist weit entfernt von solchen Dummheiten. Dies sind keine Fotos von Büchern, sondern von Volumina. Aber zusätzlich sind diese Volumen Bücher. Bei Büchern ist die Diskrepanz zwischen Form und Inhalt des Volumens oft ärgerlich und immer unüberbrückbar. Das einzige was rettet ist Aurafotografie, ein Medienwechsel, der wichtigtuerische Verstrickungen wenigstens erhellt. Bücher sind nur ein Beispiel.
Wenn es um Bücher geht stellt Roman Schramm solche her. Z.B. „Tomaten“
Künstlerbücher sind keine Lesebücher, so wie man Bilder ja auch nicht lesen kann, obwohl es immer mal wieder Untersuchungen gibt dazu, dass man angeblich links oben anfängt und rechts unten aufhört, auch bei Bildern, aber anders als bei einer Textseite hilft das dem Sinn nicht auf. Der Lessingsche Laokoon Aufsatz, der säuberlich die Raum- von der Zeitkunst trennt, hilft bei Künstlerbüchern nicht. Man kann sie nicht lesen, muss aber blättern um durchzukommen. Das Buch Tomaten hat 20 Seiten aber nur 5 Bilder. 5 Bilder einer Fensterbretttomatepflanze in variierter Gegenüberstellung, zwei Tomatenfotos pro Doppelseite. Man versteht es nur wenn man genau nachzählt. Eine eigenartige Methode zu blättern, und auch völlig unerheblich. Es ist ein unerkannter Bekanntheitsreflex, der in diesem Buch west. Man kennt die Pflanze schon vor der ersten Seite – klar Tomaten. Was Unsinn ist, diese Tomaten hat man noch nicht gesehen. Durch die Variation die nicht als solche identifiziert wird verwischt, was man im Buch und außerhalb seiner schon mal gesehen hat.
(Nora Sdun)