Die heftigen Schwankungen der öffentlichen Zuneigung für Positionen und Personen verfolgt er als teilnahmsvoller Beobachter. „Ich halte mich raus, Nervosität bringt meiner Arbeit nichts.“ Das bange Gefühl, irgendwo nicht mitmachen zu dürfen, ist ihm fremd. „Ich glaube, dass die Akzeptanz unter Kollegen hergestellt ist, sobald man klarmachen kann, dass man sich durchschlägt.“
Bange Gefühle hatte er, als er nach einer langen Arbeitsphase feststellte, dass er auf Terpentin allergisch reagiert. Was tun? Umsatteln auf Automechaniker? „Ein Mundschutz schützt nun mein Hirn vor der endgültigen Erweichung“, sagt er ironisch, „und lüften kann man ja auch.“
Moritz Hasse malt und malt, weil diese Technik Teil des kulturellen Gedächtnisses ist. Emotionalität funktioniert unabhängig von der Innovation. „Die spitzfindigen Ausdifferenzierungen der kunstinternen Diskurse sind interessant, aber nicht erstes Kriterium für die Beurteilung meiner eigenen Arbeit“, sagt er.
„Mein Blick ist natürlich davon geprägt, auch von Film und Fotografie, aber „Maler pflegen eigene Helden.“ Er zählt einige auf: Cézanne, Liebermann, Hopper, Richter, auch Fotografen, Struth zum Beispiel.
Licht auf Fassaden. Moritz Hasse malt mit einheitlich großem Pinsel. Auf diesen Bildern wird keine spezielle, besonders wichtige Sache betont. Es sind gut beleuchtete Schauplätze für „Tatort“ oder Wahlkampf, die Schauspieler sind aber nicht da. Die Straßen liegen ungerührt, sie taugen nicht zur Projektionsfläche. „Ich geheimnisse nichts in meine Arbeiten hinein, weder inhaltlich noch formal, ästhetizistische Zauberstücke sind nicht meine Sache.“
Die Motive stammen aus sehr verschiedenen Städten der Welt. Rom, Moskau, Williamsburg/NY, Berlin. Städte, die mit der Entwicklung bürgerlicher Zivilgesellschaft entstanden, ähneln einander. Trotz shrinking citys und verödender Innenstädte berichten die Mittelklassewagen auf Hasses Bildern von dieser Konstante. „Die Bilder sind Dokumente der Normalität. Nicht dass ich Normalität besonders toll fände, aber es ist genau die Umgebung, die prägt, ob man sich ihrer bewusst ist oder nicht.“ Als Nächstes reist Hasse nach Istanbul.
Beim Betrachten vollzieht man die gute alte Eroberung der Welt als Bild. Moritz Hasse gehorcht dem Problem, das uns kommandiert - der Wirklichkeit.
Nora Sdun
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