Hier war am Eröffnungsabend zu sehen, wie ein bloßer Schatten zu fetter öliger Materie anwächst und wie Tageszeitungen aus aller Welt von goldenem Schimmer bis zur Unlesbarkeit übersprüht werden. Zusammen also ein informatives Lichtgeschimmer mit Klotzschatten.
Bei den Bildern von Helene Appel sieht man einen Bericht von Arbeitsprozessen. Kunstvoll abgestoppt und wenige Zentimeter weiter neu begonnen und zu einem anderen Ergebnis ausgeführt und wieder abgestoppt, die Erscheinung eines kleinen Blätterzweigs ist nicht die Vollendung der begonnenen Versuche, sondern eine Variante zum Problem der Darstellung eines Gegenstandes überhaupt. Seien es nun Blätter oder etwas anderes. Es sind Versuchsanordnungen in verschiedenen Stadien der Entwicklung, die gemeinsam zu einem kompletten Bild umkippen.
Im Schaufenster hängt nun ein Bild mit Zweiglein. Schwarze winterliche Stöckchen auf weißem Grund. Wer nicht aufpasst, denkt an Fontana, den, der die Leinwand schlitzte in seinem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber der flüssigen Verfertigung von immer neuen Bildern mit heilem Deutungshorizont. Helene Appel malt also Zweiglein (vielleicht ein Obstholz), die von Fern aussehen wie Schlitze, aber, natürlich karg, ein wunderschönes Abbild der Natur sind, eine flüssige Verfertigung von Deutungen anzubieten scheinen, sich aber mit leisem Hochmut gegenüber dem Betrachter verabschieden, verschwinden durch den misstrauischen Schlitz der Kunstgeschichte. Widerwillig gegenüber dem Zugriff der palavernden Rezipientenschar und dann auch wieder freundlich in der Geschichte unterwegs, sozusagen in die erloschenen Krater der Bildgeschichte blickend von Zeit zu Zeit und ein weiteres Experiment anstellend, was nämlich passiert, wenn man sich dem Schatten der Dinge widmet, und wie dieser anfängt zu wachsen, präsenter ist der Schatten schließlich als die zu einem farbigen Wischer gewordene Gegenständlichkeit.