Was passiert, wenn man sich mit dem Schatten der Kunstgeschichte auf die heutige Kunst beschäftigt und er anwächst beispielsweise zu der Materialität eines kahlen Zweigleins, welches sich aus der Stelle des Fontana’schen Schlitzes herauswindet, was wird passieren, womit zu rechnen ist, wenn er ausschlägt?
Monika Jarecka sprüht Gold und Silber auf Zeitungen, die sie in öffentlichen Verkehrsmitteln findet. Vergoldeter Augenblick der Tagespresse. Wichtig und vergoldet aufgewertet das miserable Papier voll mit kläglichen Bemerkungen zur Lage der Nationen, aber schimmern tut sie, die Meinung aus jedem Satz, nun erst recht, keiner liest die Zeitung, ihre Gegenwart reicht hin, um informiert zu scheinen, schimmern. Die Goldpreise sind ein Markt beherrscht von unsichtbaren Eminenzen, vom Flimmern überstrahlt. Unsichtbar ist auch die Kunst von Monika, wenn sie sonderbar abgelegt wird, am Boden liegend läuft man darauf herum, wie man eben über Zeitungen läuft, die im Weg liegen, und heiter wird darauf hingewiesen, dass man wieder auf der Kunst steht und ihren Goldschimmer nicht bemerkte. Also achten Sie auf kleinste Veränderungen in der Atmosphäre. Setzen sie Ihre Füße vorsichtig, der Zeitung macht das nichts, wenn Sie darauf herumlaufen, aber Monika Jarecka hat ein dreistufiges Lachen parat.
(Nora Sdun, 2005)
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