Hans-Christian Saylors, Pssst Planet

Ob Idolwurst, Perlenpuder, Schnuller, danger oder love,

es schießen neue Sozialcharaktere ins Kraut, so der Plan.

Mal malt Hans-Christian Saylors ein Schaf, ein geschorenes,

mal stopft er ein Kissen in einen Stern.

Kettensägenskincare meets Flugboost.

Schwarzlicht? Diesmal nicht.

Daß er bereits krasse Predigten gehalten,

seine Persönlichkeit multipliziert, Regen gemacht

und Cloedo gespielt hat, weiß man ja.

(Hans-Christian Saylors)

 

 

Psssst-Planet

 

Es bedarf einer exzentrischen Position im Feld der Metaphysik um einen Himmelkörper zum Innehalten zu überreden. Josua konnte es, wenn auch mit göttlicher Vermittlung, jedenfalls heißt es dazu in der Bibel:

 

„Da redete Josua mit dem HERRN des Tages, und sprach vor dem gegenwärtigen Israel: Sonne, stehe still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon! Da stand die Sonne und der Mond still, bis dass sich das Volk an ihren Feinden rächte. Also stand die Sonne mitten am Himmel und verzog unterzugehen beinahe einen ganzen Tag.“

 

Das heißt wohl 24 Stunden Helligkeit, also Kampfzeit, was für die kämpfenden Parteien eine ausgesprochene Strapaze bedeutet haben muss. Aber wenn man einen guten Lauf hat, wäre es dumm diesen zu unterbrechen für ein Schläfchen.

 

Hans-Christian Saylors entwickelt entlang seines Ausstellungstitels Psssst-Planet, die Phantasie eines Innehaltens als äußerste mögliche Form der Veränderung der Verhältnisse (bitte nicht verwechseln mit Schweigeminuten plus belämmertem Gesichtsausdruck oder Streik). Nicht Prozesse umlenken, kanalisieren, transformieren sondern nur stoppen, um a) wie Josua die sich bietende Gelegenheit zum draufhauen zu nutzen, oder b) nichts zu tun, die Saylorsche Methode, – Psssst. Shush oder to hush im Englischen. Wobei dieser Übersetzungsvergleich das an Explosivlauten (P / K / T) reiche Vokabular des deutschen Spachraums unangenehm deutlich macht und damit die Schlägervariante a) zumindest akustisch zu Gehör bringt, auch wenn es einem um Stille gehen sollte, vorstellbar als eine herabsausende Rute die mit scharfem T auf den Hintern des Gestraften klatscht. Psssst.

 

Natürlich muss alles Mögliche schnellstens geändert werden. Und in der Musik ist der Effekt, den eine Generalpause macht, zum Beispiel nach einem Paukenschlag, auch sattsam bekannt (Strauss Sohn hat im Konzertgraben sogar schießen lassen, damit es schärfer knallte). Wie man eine medienübergreifende Pause oder Stille organisiert und was man dafür vorher für Geräusche oder Bewegungen machen muss, bedarf wiederum besonderer metaphysisch-administrativ begabter Personen – Künstler zum Beispiel.

(Nora Sdun)