Ergül Cengiz

Als Rohmaterial für meine Bilder verwende ich Motive aus dem Alltagsleben wie Tiere, Menschen, Landschaften und Stadtansichten, mit denen ich und der Betrachter vertraut sind. Durch diese Herangehensweise ermögliche ich mir, durch unpassende Anordnungen die bisher bekannten Motive in einem anderen Licht zu zeigen. Die Räume stimmen nicht, die Verhältnisse der Dinge zueinander sind verzerrt oder vollkommen negiert.

 

Ich verwende bewusst die abendländische Symbolik in Kombination mit der orientalischen, da zwar Ähnlichkeiten vorhanden sind, aber vor allem auch Unterschiede, die die Spannung im Bild ausmachen. Manchmal sind es Katzen, die in Europa als Haustiere fungieren, in Istanbul aber eine Plage sind. Auch sind schwarze Katzen ein Symbol für ein kommendes Unglück oder sind erschreckend, da sie in der Nacht sehen können. Eigentlich ist ihre Funktion, den Hof vor Mäusen zu schützen. Der Hund indessen ist treuer Freund und Beschützer des Besitzers, doch in der orientalischen Traumdeutung ein Symbol für „den Feind“.

 

Die Bilder, die wir in den Träumen erzeugen, sind sehr intensiv und mehrdeutig. Mein spezielles Interesse für Träume mag daran liegen, dass ich als Kleinkind schon Schlafstörungen hatte, die sich als Alpträume und Angstzustände zeigten. Mal war der Kleiderschrank zu groß oder meine Mutter erschien mir wie ein riesiges Monster, manchmal konnte ich es auch nicht verstehen, wie wir bloß so aussehen können wie jetzt. Irgendetwas war nicht in Ordnung, meinen lieben Eltern waren nicht glücklich über meine nächtlichen Aktivitäten und deshalb gingen sie zu einem speziellen Imam (islamischer Heiler), der für mich ein Mini-Gebetbuch herstellte und es segnete. Dies trug ich jahrelang an meinem Unterhemd unter meiner Achsel. Diese Art der Träume haben vermutlich viele Leute, es gibt auch einen Namen für „Ihn“, der uns solche Angst macht. Im Abchasischen heißt er„Nibkilca“ und im türkischen „Karabasan“, im Deutschen weiß ich es nicht oder es gibt auch kein Wort dafür.

 

Man könnte die Malereien auch als eine Art Collage sehen. Es geht mir nicht um die Widererkennbarkeit der Dargestellten, sondern um die Emotionen, die die Bilder auslösen. Ich habe eine Bildidee, mache Entwürfe, wähle ein Format aus das meist nur in der Breite variiert und lege das Bild an. Die Höhe ist fast immer konstant, 2,10 m. Diese Größe ist ideal für meine Körpergröße und der Betrachter, hat die Möglichkeit sich ganz gar mit dem Geschehen auseinander zusetzen und es zu Interpretieren. Diese Größe hat auch den Vorteil, das ich auf der Bildfläche sehr kleinteilig werden kann und dadurch die Informationen verdichten kann, dies wieder entspricht meiner Denkweise, die nicht stringent sondern etwas verworren ist. Als eine Art zwiespältigen Spannungsmoment verwende ich auch einen vermeintlich direkten ‚Blickkontakt’ aus den Bildern heraus, auf denen ein Mensch oder Tier abgebildet ist, die den Betrachtenden wiederum ebenfalls fixieren. Das angelegte Bild wird manchmal monatelang immer wieder bearbeitet. Der Arbeitsprozess ist langwierig und abwechslungsreich. Ein Bild als beendet zu bezeichnen, fällt mir schwer.

 

Zusammenfassend könnte man sagen, dass ich mich in meinen Bildern schwerpunktmäßig mit Erinnertem, kollektiven und persönlichen Urbildern, symbolische, emotionale oder kunstgeschichtliche, in denen sich natürlich aufgrund meiner Biographie auch die verschiedenen Kulturen meines Umfelds vermischen, beschäftige. Alle diese Bilder haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind uns vertraut, gleichzeitig aber, durch ihre fragmentarische Verwendung und durch meine Interpretation verfremdet, auf beunruhigende Weise von jener Vertrautheit entfernt.

 

Ergül Cengiz