"Matilde" vom 17.-24.08.2007 / Andrejsala, Riga, Lettland. Mit Alexander Hoepfner, Peter Lynen, Ingrid Scherr und Philipp Schewe.
Das Projekt "Showroom" läd weitere Projekträume und Organisationen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und den Niederlanden zu einer Gruppenausstellung Teinehmende Projekte: Amberg & Marti, Zürich/ Auto, Vienna / Planet 22, Geneva, Trottoir, Hamburg / Fucking good art, Rotterdam
Schon wieder Netzwerkdarstellung. Trottoir, ist eingeladen nach Riga.
Es stimmt, dass man nur eindringlich genug etwas behaupten muss, um damit hinterher bezahlen zu können, so dass man zumindest der Währung der eigenen Gedanken trauen kann, und deren Inflation ist nicht nennenswert.
Eine große Zeltplane, ein Pflug, eine Egge, ein Kultivator, ein größerer Posten von Draht, Ketten, eine Menge von Handwerkszeug. Küchengerät und Haushaltsgegenstände. Powerpointlibretti, Eiserne Kessel, Separatoren, Buttermaschinen. Wurstmaschinen, Wagen, eine Schmiede, Schustergerätschaft, Tischlergerätschaft, 3 Handnähmaschinen, Schleifsteine und eine Flinte. Eine kleine Handdruckerei, eine Käsereinrichtung, eine Imkerei für 10 Völker, eine Dampfmaschine von 22 PS, ein Sägewerk, bestehend aus Transmissionen und Treibriemen, dazu eine kleine Schrotmühle und eine Ölpresse. Alles kalkulieren, ein paar Mäppchen kaufen, die Quittungen unbedingt sammeln, auf Zettel kleben und nach Datum sortieren, fertig ist die Neubesiedelung.
Trottoir, Hamburger Hochstraße 24, Hamburg, man geht da oft hin, und es wird gereicht: rasch wechselndes Ausstellungsprogramm, Nachbarschaftshilfe, soziale Härte und sentimentale Zustände. Lamento und Furcht und Zetern. Sorgsam vampiristisch wird auf das Wohlergehen geachtet, also darauf, dass die Situationen nicht vollends aus dem Ruder laufen mögen, das ist wichtig.
Man kann solche Räume nicht auf eine Reise schicken, man kann schließlich auch nicht eine Beerdigung im Flughafen veranstalten, jedenfalls zur Zeit nicht, man kann das Ritual mit großer Mühe umtopfen, wie man an den langwierigen Maßnahmen der Missionare sieht. Man kann auf keinen fall den Ort umtopfen - niemals, aber natürlich, man kann den Ort besser besichtigen, und ja, ich wiederhole es, das Ritual lässt sich auch an anderen Orten etablieren, aber schnell geht es nicht, und wenn schnell, dann nur als Parodie, oder als Missverständnis, als Inszenierung oder Kunst. Das Ritual ist das einzige Spezifikum des Trottoirs, das einzige was sich zu transportieren lohnte, denn der Raum ist einigermaßen beliebig. Es geht tatsächlich um Atmosphären, um soziale Rituale, nicht um standesgemäßes Präsentieren.
Orte wie Trottoir sind Beharrungsphänomene durchziehender Situationen, Dingen die sich aus einer Bewegtheit heraus ergeben, also zeitlich und nicht instituierend räumlich sind, aber immer am Ort niedergelegt werden.
Trottoir sendet also Invasoren, Alexander Hoepfner, Peter Lynen, Ingrid Scherr und Philipp Schewe, 4 Künstler. Sie sind nicht Trottoir. Sie sind beharrliche Diplomaten eigener Anliegen. Aber Trottoir ist ein Display solcher Anliegen, deshalb können wir die Künstler wählen. Das ist Willkür. Das ist nicht zynisch.
»PRAGER REGAL«
In der Gruppenausstellung „Prager Regal“ in der Werke der Künstler Scherr, Lynen und Hoepfner, gezeigt werden, finden drei Sammlungen zusammen: Antropologische Luftgebilde, psychosomatische Zeichnug und Lichtforschung. Als Gesamteindruck stellt sich ein Andachtsraum zeitgenössischen Gefühls dar.
Alexander Hoepfner
Tatbestand - Besetzung:
Den Kopf in großen Brüsten und die Hand an kleinen Zeichnungen wartet der Künstler auf Deckungsgleichheit der Informationsverarbeitung. Mit der daraus resultierenden Ansammlung von befreiend hüpsch gerahmten Din A 4 Blättern, richtet er sich strukturell in einem Fremdkörper ein.
Peter Lynen
Unser Planet wird von einer unsichtbaren Zivilisationsform bewohnt und beherrscht. Wir, die Menschheit, stehen unter der Kontrolle eines Machtsystems von einzigartiger Ausdehnung. Peter Lynen enthüllt in farbigen Lichtreferenz Bildern im Wellen- Frequenzbereich zwischen 225 und 380 nanometer eine Verschwörung kosmischen Ausmaßes.
Ingrid Scherr
Pneumatischer Schrumpfismus
Die faustgroße Trophäe wurde aus dem abgetrennten Kopf eines Gegners
gefertigt. Der Schädel überträgt in den meisten Fällen die Lebenskraft auf
seinen Besitzer. Ingrid Scherr bläst den Schrumpfköpfen ihr Pneuma ein.
Der vierte vom Trottoir abgesandte Künstler erreicht Riga als Zielpunkt einer Expedition.
Philipp Caspar Frederick Schewe
Eine autofiktive Videoperformance schildert die Expedition des deutschen Eroberers AGIR, welcher Eldorado ausfindig machen soll. Nach der Gründung Rigas erfinden deutsche Erzbischöfe die Legende vom Goldland Eldorado, das sich im baltischen Umland befinden soll. Am Ende der Performance steht Agir als letzter Überlebender auf einem Floß und erklärt einer Meute von Affen seine Eroberungspläne für das Baltikum. Die RIGA RODEO OPERA EL DORADO ist geboren. Der Traum einer erfolgreichen Meuterei und die Gier nach Gold enden in der Katastrophe.
Veranstalter
Showroom / Trottoir